SGE vs. SEO: Wie wird sich die Sichtbarkeit im Web verändern?
SEO war lange Zeit das A und O oder in diesem Fall das E und O..., wenn es darum ging, im Internet sichtbar zu werden. Wer bei Google ganz oben stand, konnte sich fast sicher sein, dass viele Menschen auf die Website klickten, und damit kam auch Traffic, Sichtbarkeit und im besten Fall Umsatz. Über viele Jahre hinweg war SEO der große Hebel, um überhaupt gefunden zu werden.
Doch jetzt, mit der Search Generative Experience (SGE), verändert sich das Suchverhalten der User radikal. Google und andere Browser testen seit einiger Zeit KI-gestützte Antwortboxen, die direkt auf der Suchseite komplette Antworten ausspucken. Man gibt eine Frage ein und bekommt sofort eine generierte, oft ziemlich umfassende Antwort. Ich für meinen Teil bin oft sehr zufrieden mit dieser generierten Antwort und verlasse Google ohne eine einzige Website angeklickt zu haben. Kurze Sidenote: Ich würde sagen, die Mehrheit meiner Freunde nutzen auch immer häufiger ChatGPT statt Google, um sich Fragen beantworten zu lassen. Diese private Beobachtung wird auch durch die Aussage bestätigt, dass stand Anfang 2025 ChatGPT unter den Top-5 der meist besuchten Websites ist.
Für mich und andere Website-Betreiber ist das ein Umbruch. Ich frage mich: Was bedeutet es für meine Kunden und mein Business, wenn Google Antworten nicht mehr klassisch verlinkt, sondern KI-generiert dargestellt werden?
Above the fold: Wer bestimmt eigentlich, was sichtbar ist?
Damit sind wir bei einer anderen spannenden Frage: Wer entscheidet eigentlich, was „above the fold“ gezeigt wird?
„Above the fold“ bedeutet: Alles, was ein Nutzer sieht, ohne scrollen zu müssen. Auf einer Website wird dieser Bereich auch Hero-Section genannt. In der Google-Suche sind es die ersten Ergebnisse, die direkt nach Eingabe sichtbar sind.
Wer es früher auf Platz eins oder zwei bei Google schafft, ist above the fold. Heute, mit SGE, wird es komplizierter. Denn Google entscheidet, welche Quellen in die Antwort einfließen und welche nicht. Wenn Google dann auch noch Anzeigen in diese Boxen integriert, wird der Platz „above the fold“ noch enger. Aber wie kommt man in die KI-Antworten?
SGE verändert das Spiel: weniger Klicks, mehr Antworten direkt auf Google
Schon heute enden laut Studien über die Hälfte aller Suchanfragen ohne Klick auf eine Website. Man spricht von sogenannten „Zero-Click-Suchen“. Eine Studie von 2024 ergab beispielsweise, dass 58,8 % der Suchanfragen in den USA und 59,7 % in der EU zu keinem Klick auf externe Ergebnisse führen. Warum sollte man noch auf meine Seite klicken, wenn Google die Antwort mundgerecht liefert?
Früher war SEO ein bisschen wie ein Rennen: Wer mit den richtigen Keywords, genügend Backlinks und einem sauberen technischen Setup auf Platz eins kam, hatte gewonnen. Dazu noch ein bisschen Geld in Google Ads investieren, um sicher ganz oben zu landen. Heute reicht das nicht mehr. Denn die Frage ist nicht mehr nur: „Bin ich auf Platz eins?“ Sondern: „Wird meine Seite überhaupt noch angezeigt, oder verschluckt SGE meinen Content?“
Was Google stattdessen will, sind Inhalte, die tiefer gehen, die Expertise zeigen, Vertrauen aufbauen und Fragen beantworten. Man spricht von E-E-A-T – Experience (Erfahrung), Expertise (Fachwissen), Authoritativeness (Maßgeblichkeit), Trustworthiness (Vertrauenswürdigkeit). Webseiten mit schwachen E-E-A-T haben deutliche schlechtere Chancen auf ein gutes Ranking. Sie entsprechen nämlich den allgemeinen Qualitätsrichtlinien von Google (Search Quality Rater Guidelines) in wesentlichen Punkten nicht, was eine schlechte Bewertung der Website durch die Algorithmen zur Folge hat.
AEO und GEO - noch mehr Fachbegriffe?
Während der Recherche für diesen Blog bin ich auf zwei weitere wichtige Begriffe in diesem Zusammenhang gestoßen: AEO (Answer Engine Optimization) und GEO (Generative Engine Optimization).
AEO bedeutet, die Inhalte so aufbereiten, dass sie in Antwortmaschinen wie Siri, Alexa oder auch Chatbots gut funktionieren. Die Texte sollten klare Antworten liefern (FAQ-Stil) und Informationen strukturiert dargestellt werden, sodass sie präzise und leicht "zitierbar" sind. AEO hilft Menschen, dein Unternehmen zu finden. AEO ist also eigentlich das, was gutes SEO immer hätte sein sollen. Originale, hilfreiche Inhalte, die Interessenten ihre Fragen beantworten. Ich definiere AEO daher als eine Art Evolution von SEO, keine Revolution.
GEO geht noch einen Schritt weiter. Hierbei geht es darum, Inhalte so vorzubereiten, dass sie explizit von KI-Systemen wie beispielsweise ChatGPT aufgenommen werden können. Dazu gehören Dinge wie Schema.org-Markups, AI-spezifische Metadaten oder auch neue Ansätze wie llms.txt-Dateien, mit dem man KI-Crawlern gezielt mitteilen kann, welche Inhalte man zur Verarbeitung freigeben möchte. Webflow bietet bereits eine Möglichkeit, LLM-Dateien auf die eigene Website hochzuladen (Anleitung zur Einrichtung von LLMs bei Webflow). Wenn du Unterstützung bei der Erstellung und Einbettung einer LLM-Datei benötigst, helfe ich dir sehr gerne (Kontakt).
AEO und GEO sind keine Gegensätze, sondern bauen aufeinander auf. AEO sorgt dafür, dass Inhalte verständliche Antworten liefern. GEO sorgt dafür, dass diese Inhalte von KI-Systemen korrekt eingeordnet, verarbeitet und genutzt werden können. Wir müssen also lernen, für Menschen so klar zu schreiben, dass Maschinen den Inhalt eindeutig verstehen können.
Wie erscheine ich in den KI-Antworten von Google?
Diese Frage interessiert mich persönlich am meisten! Sind es nach wie vor Google Ads, die mich in den KI-Antworten erscheinen lassen?
Google Ads waren früher ein schneller Weg, um Traffic auf die Website zu bekommen. Aber verändert sich dieser Markt mit Einführung von SGE? Google experimentiert bereits damit, Anzeigen direkt in den KI-Antworten anzuzeigen. Sie erscheinen also nicht mehr nur klassisch auf der Suchergebnisseite, sondern mitten in den generierten Texten. In der Praxis bedeutet das, dass selbst bei informativen Suchanfragen mitten in der KI-Antwort eine gesponserte Werbung erscheinen kann. Google weitet damit die Monetarisierung auf generative Suchergebnisse aus, Nutzer werden künftig vermehrt als „Antwort“ eingebettete Anzeigen sehen.
In der Praxis werden Unternehmen ihre Budgets auf folgende Bereiche aufteilen müssen:
- Sicherstellen, dass die Inhalte von KI-Engines gefunden und zitiert werden können (AEO und GEO)
- bezahlte Platzierungen, um innerhalb von KI-Antworten sichtbar zu werden
Was die bezahlte Platzierung angeht, ändert sich für Werbetreibende aber vorerst wenig an der Buchungsweise. Google nutzt (zumindest aktuell) die bestehende Google-Ads-Infrastruktur, um Anzeigen in SGE auszuliefern. Es wurde kein separates Kampagnenformat für SGE eingeführt. Laut Google stammen die Anzeigen innerhalb der generativen Suche aus bestehenden Such- und Shopping-Kampagnen. Mit anderen Worten: Unternehmen, die bereits Google Ads schalten, nehmen automatisch an SGE teil, sofern ihre Anzeigen zu einer SGE-Anfrage passen.
Interessant ist allerdings, dass es aktuell noch keine speziellen Targeting-Möglichkeiten für SGE gibt. Das bedeutet, Google entscheidet mithilfe seiner Algorithmen, wann und wo eine Anzeige in SGE erscheint, basierend auf Relevanz zu der eingegebenen Suchanfrage und zum Kontext der generierten Antwort. Es können derzeit also weder explizit SGE-Platzierungen gebucht werden, noch deaktiviert werden. Die Ausspielung erfolgt automatisch, sofern die Anzeige zur AI-Übersicht passt.
Und wie erscheine ich in ChatGPT?
Hier liegt der entscheidende Unterschied zu klassischen Suchmaschinen. Denn die enttäuschende und ehrliche Antwort lautet: nicht direkt. Zumindest nicht über Werbung.
ChatGPT ist kein Anzeigen Marktplatz wie Google. Es gibt keine ChatGPT Ads, keine Buchungssysteme und keine Möglichkeit, sich eine bestimmte Position zu sichern. Es existiert keine Position 1, die man kaufen könnte. Websites erscheinen in ChatGPT nicht deshalb, weil sie dafür bezahlen, sondern weil sie als relevante und vertrauenswürdige Quelle gelten.
Wie ChatGPT Inhalte auswählt
Vereinfacht gesagt greift ChatGPT auf eine Kombination aus öffentlich zugänglichen Webinhalten, hochwertigen und häufig zitierten Quellen, klar strukturierten Informationen sowie bekannten Marken und Experten zurück. Entscheidend ist dabei nicht, wie gut ein Unternehmen wirbt, sondern wie gut es in der Lage ist, verständliche und hilfreiche Antworten zu liefern. ChatGPT bevorzugt Inhalte, die Zusammenhänge erklären, Fragen präzise beantworten und sich eindeutig einordnen lassen. Je klarer und verständlicher ein Inhalt ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er als Grundlage für eine Antwort genutzt wird.
Antworten schreiben statt Keywords optimieren
Wer in ChatGPT auftauchen möchte, sollte Inhalte nicht primär für Suchmaschinen Keywords schreiben, sondern für Menschen und ihre Fragen. Gute Inhalte sind präzise, klar formuliert, sachlich und logisch aufgebaut. Sie beantworten konkrete Fragen und verzichten auf unnötige Fülltexte. KI Systeme bevorzugen Inhalte, die direkt zitierbar sind und ohne zusätzliche Interpretation verständlich bleiben.
Autorität und Vertrauen aufbauen
Websites, die regelmäßig in KI Antworten erscheinen, zeichnen sich durch eine klare fachliche Positionierung aus. Sie werden von anderen Seiten erwähnt, behandeln ihre Themen konsistent und wirken inhaltlich geschlossen. Langfristiger Markenaufbau spielt hier eine größere Rolle als kurzfristige SEO Tricks. Wer als verlässliche Quelle wahrgenommen wird, erhöht die Chance, von KI Systemen berücksichtigt zu werden.
Klare Struktur und verständliche Inhalte
Eine saubere inhaltliche Struktur hilft nicht nur menschlichen Lesern, sondern auch KI Systemen. Klare Überschriften, kurze Absätze und eindeutige Aussagen erleichtern die Einordnung von Inhalten. Besonders hilfreich sind erklärende Formate wie FAQs oder Ratgeber, die typische Fragen direkt aufgreifen und beantworten. Je einfacher es ist, einen Inhalt in einzelne sinnvolle Aussagen zu zerlegen, desto besser kann er von KI Systemen verarbeitet werden.
Öffentlich sichtbar und auffindbar sein
ChatGPT kann nur auf Inhalte zurückgreifen, die öffentlich zugänglich sind. Dazu gehören Blogartikel, Fachbeiträge, Interviews, Erwähnungen auf anderen Websites und klar strukturierte Inhalte auf der eigenen Seite. Was nicht veröffentlicht oder schwer zugänglich ist, kann auch nicht als Quelle dienen. Sichtbarkeit entsteht deshalb nicht durch geheime Optimierungen, sondern durch kontinuierliche Veröffentlichung relevanter Inhalte.
Mein Fazit
Die Art und Weise, wie Sichtbarkeit im Web entsteht, verändert sich grundlegend. Klassisches SEO allein reicht nicht mehr aus, um langfristig gefunden zu werden. Mit SGE, KI-Antworten und Tools wie ChatGPT verschiebt sich der Fokus von reinen Rankings hin zu echten Antworten, Expertise und Vertrauen. Wer künftig sichtbar bleiben will, muss lernen, Inhalte nicht nur für Suchmaschinen, sondern auch für KI-Systeme und vor allem für Menschen zu erstellen. Struktur, Klarheit, fachliche Tiefe und kontinuierliche Veröffentlichung werden wichtiger als einzelne Keywords oder kurzfristige Maßnahmen. Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur durch Positionen, sondern durch Relevanz. Und genau diese Relevanz entscheidet darüber, ob Inhalte gelesen, zitiert oder in KI-Antworten aufgegriffen werden.
Am Ende heißt das, das in Zukunft die Sichtbarkeit im Web zwar komplexer wird, aber nicht unmöglich ist. Wer die neuen Werkzeuge (AEO, GEO und SEA-Strategien für Werbung) für sich nutzt und Mehrwert mit seinen Inhalten / Produkten / Dienstleistungen etc. bietet, kann auch in der KI-geprägten Suchwelt weiterhin präsent bleiben.
Wenn du neugierig bist, wie gut deine Website für die neue KI-Suche aufgestellt ist, schaue ich mir gerne deine SEO- und SEA-Strategien an und gebe konkrete Empfehlungen.



